Adipositas – Gemeinsam Wege gehen

Eine Chance nur …

Für einen morbid adipösen Menschen ist eine adipositaschirurgische Operation eine Chance, oftmals die letzte vor dem drohenden Adipositastod. Wird diese Chance ergriffen, so folgt ein langer beschwerlicher Weg zurück in die individuell zu definierende Normalität. Der Lohn dieses Kampfes auf körperlicher, psychischer und geistiger Ebene ist Leben in einer täglich und immer wieder neu zu entdeckenden Fülle, die in ihrer Intensität und Spannung vorher nicht vorstellbar war.

Anmerkung: Ich arbeite grundsätzlich nach den in meinem Buch “Am Rande der Haut … beginnt das Wunder” erklärten Therapieschritten und den darin genannten psychotherapeutischen und tantrisch körpertherapeutischen Ansätzen. Ich gehe davon aus, dass meine adipösen Klienten das Buch als Information gelesen haben. Jede Beratung und Therapie ist ein individueller Prozess und es ist entscheidend, mit welchen Themen und in welcher aktuellen Situation du kommst. Entsprechend werden wir ein Konzept erstellen, an dem wir arbeiten sollten. Dies ist veränderbar und nicht starr.

Hier ein Auszug aus meinem Buch:

Die neuen operativen Maßnahmen geben ein Instrument in die Hand, um die genetischen Wirkmechanismen so zu umgehen, dass eine dauerhafte Regulierung des Körpergewichtes möglich ist. (Schritt 1)

Die Operation kann aber nicht die alleinige Lösung des Problems sein, weil der Suchtanteil der Erkrankung, sowie die gesellschaftliche und soziale Traumatisierung mit der Operation nicht behandelt sind. Nach der Operation muss eine Psychotherapie folgen, ein Erkenntnisweg, eine Krankheitseinsicht, was die Erkrankung mit dem Patienten machte, wie sie ihn körperlich und auch psychisch verunstaltete. (Schritt 2)

Doch der Heilungsweg darf auch hier nicht aufhören. Erfahrungen zeigen, dass wir ansonsten nur wissende Dicke in dünneren Körpern haben und Suchtverlagerungen, Depressionen und Ängste die Folge sein können. Mit dem gleichen Vermeidungsverhalten und den Beziehungsstörungen, mit den Körperschemastörungen und Traumatisierungen. So kann es dann zur Suchtverlagerungen kommen, bis hin zur Umkehrung in die Magersucht, oder zu einer neuen, stofflichen Abhängigkeit. Es ist nur “anders schlecht” geworden.

Eine dauerhaft erfolgreiche Adipositasbehandlung muss dem Patienten eine berechtigte Hoffnung auf ein lustvolles und befriedigendes Leben nach einem anstrengendem Weg in Aussicht stellen können. Der Patient muss trotz evtl. nicht rückgängig zu machender Folgen seiner Erkrankung wie z.B. Operationsnarben, freudiger Gestalter seines zukünftigen Lebens sein können. Hierfür sollte durch einen körperpsychotherapeutischen Heilungsweg eine spürbare Versöhnung mit dem bisher gehassten Körper stattfinden. (Schritt 3)

Das Nichthassen reicht jedoch nicht aus, um eine wirkliche Veränderung hin zu einem positiven Lebensgefühl zu entwickeln. Durch gezielte gute, körperlich berührende Erfahrungen kann die Selbstliebe und die Liebe zum Leben wieder wachsen, nur dann kann eine anhaltende Veränderung passieren. Wer sich selber wohlwollend annehmen kann, wird positive Resonanz in seinem Umfeld erfahren und damit die Negativspirale der Erkrankung endgültig durchbrechen können. (Schritt 4)

Einige Beispiele für anstehende Themen:

Die Geschichte und den Körper annehmen lernen, Auseinandersetzung mit der Körperschemastörung (die mir bei Adipösen immer begegnet), mangelnde Integration von Emotionen und Körper, mangelnde Selbstliebe und Libido, Auseinandersetzung mit den Suchtfolgen, mit Depression und Ängsten, Vergangenheitsbewältigung (u.a. Misshandlung, Missbrauch, Grenzüberschreitungen, Erniedrigungen), Definition und Gestalten neuer Beziehungsmuster, Einüben eines neuen Denkens, Fühlens, Handelns, letztlich für ein freudvolles Leben eine neue Realität gestalten.

Dies sind die Schritte auf dem Weg heraus:

  1. Operative Maßnahme und Ernährungsumstellung
  2. Erkenntnisse durch Psychotherapie
  3. Erwachen der Lebens- und Liebeslust durch körpertherapeutische Intervention, durch Erweiterung des Lustgewinns auf andere als orale Bereiche
  4. Freude an sich selbst und dem eigenen Erleben, Gestaltung eines befriedigenden Lebens

 

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